Ernst Schulze

Wer war Ernst Schulze?

Er war ein Dichter der Romantik, der Gedichte und Verserzählungen verfasst hat. Im 19. Jahrhundert war er ein Bestseller-Autor. Viele Komponisten haben seine Verse vertont, u.a. Franz Schubert. 2017 jährt sich sein Todestag zum 200. Mal

 

Sein Leben

Am 22. März 1789 wurde er in Celle geboren. Sein Vater Friedrich Schulze war Bürgermeister, Buchhändler und Verleger (Schulzesche Buchhandlung). Seine Mutter war die Pastorentochter Christina Lampe, die an Tbc starb, als er zwei Jahre alt war. Aus der zweiten Ehe des Vaters gingen zwei weitere Kinder hervor, aber auch diese Frau starb an Tbc, als Ernst Schulze fünf Jahre alt war. Aus der dritten Ehe des Vaters entstammten 14 Kinder. Dieser Stiefmutter fühlte sich Ernst Schulze bis zu seinem Tod eng verbunden.

In Celle besuchte er die Lateinschule (heute: Gymnasium Ernestinum). Er lernte Fremdsprachen, nicht nur Latein und Griechisch, auch Englisch und Französisch und las große Werke der Weltliteratur in der Originalsprache. Wiederholt verbrachte er in den Ferien mehrere Wochen in dem verlassen stehenden vermoderten Rittersaal des Ritterguts Habighorst und las sich durch die dort vorhandene französischsprachige Bibliothek.

Studiert hat Ernst Schulze an der Universität Göttingen Alte Sprachen, dort erwarb er den Doktorgrad und wurde Privatdozent. Neben dem Studium und der Lehrtätigkeit verfasste er Verserzählungen.

In Celle erlebte Ernst Schulze unruhige Zeiten mit französischen, englischen, russischen und preußischen Soldaten, die durchzogen und einquartiert wurden. 1814 nahm er, schon an Tbc erkrankt, an den Befreiungskriegen gegen Frankreich teil. Seinen großen Wunsch, eine Italienreise, konnte er sich nicht mehr erfüllen. Nachdem ihn die Stiefmutter aus Göttingen zurückgeholt hatte, starb er am 29. Juni 1817 in seinem Elternhaus, jetzt Robert-Meyer-Platz 1.

 

Sein Werk

Schulzes großes Thema war die Liebe, die ideale, entsagende Liebe. Sein frühes umfangreiches Versepos „Caecilie“ widmete er seiner großen Liebe Cäcilie Tychsen, Tochter des Orientalisten Thomas Christian Tychsen, die mit noch nicht einmal 18 Jahren gestorben war, auch sie an Tbc.

Auch Landschaften, die er durchwanderte, machte er zum Gegenstand seiner Verse, sie konnten Erfahrungen und Empfindungen widerspiegeln: der Harz, die Flusslandschaften der Aller und Weser.

Kurz vor seinem Tod erfuhr er, dass sein fantastisches Ritter-Epos „Die bezauberte Rose“ einen großen Wettbewerb des Verlegers Brockhaus gewonnen hatte.

Seinen Versdichtungen hat Ernst Schulze große, strenge Formen in Reim, Metrum und Strophenbau gegeben.

 

Fortwirkung des Werks

Im 19. Jahrhundert haben bürgerliche Leser, aber auch Arbeiter, Handwerker, Bauern die Verse Ernst Schulzes gekannt. Er wurde in viele Sprachen übersetzt.

 

Über 40 Komponisten vertonten seine Lieder. Franz Schubert hat elf Lieder vertont und zu Schulzes Versen gesagt: „da fällt einem gleich was Gescheites ein“.

1855 ließ ihm der Verleger Brockhaus, der das Werk herausbrachte, auf dem Bürger-Friedhof (Hehlentorfriedhof) einen riesigen Findling als Gedenkstein setzen, mit einer Tafel

"DEM DICHTER ERNST SCHULZE". 1885 brachte der Bürgerverein am Wohnhaus der Familie eine kunstvoll gestaltete Erinnerungstafel an.

Nach dem Ersten Weltkrieg fand er weniger Beachtung. Andere Inhalte und andere Formen standen im Vordergrund.

 

In Celle sind seine Geburts- und Sterbejahr-Jubiläen immer gefeiert worden, natürlich mit sehr unterschiedlichen Deutungen von Werk und Leben. In Celle haben sich in den letzten Jahrzehnten Ernst Müller und Harald Müller mit ihren Forschungen und Veröffentlichungen um den Dichter sehr verdient gemacht.

Schon vor 50 Jahren hat Hellmut Draws-Tychsen beklagt, dass es noch keine Ernst-Schulze-Gesellschaft gebe.

 

Heute könnten uns am Werk Ernst Schulzes vor allem interessieren:

• die Widersprüchlichkeit zwischen Schwärmerei und kritischer Selbstanalyse,

• seine rigorose Entscheidung für große Formen in Reim, Metrum, Strophenbau,

• als Hintergrund seines Werks die soziale und politische Situation zu seinen Lebzeiten mit napoleonischer Besatzung, mit Kriegen, Not, mit liberaler Bewegung.

Gedichte

Bei Übersendung eines Traumbuches

 

Quid sit futurum cras, fuge quaerere.

Horat.

 

(Vers 1, 2, 3)

 

Das Leben ist ein buntverwirrter Traum;

Im Dunkel liegt die Zeit, die uns entschwunden,

Ein Schleier deckt der Zukunft ferne Stunden,

Und selbst das Jetzt erkennt die Seele kaum.

Verworren fliehn mit ungewissem Schweben

Des Daseins Bilder unserm Blick vorbei;

Wir wählen nicht was gut und nützlich sei,

Kein festes Ziel entdeckt sich unserm Streben;

Zufrieden mit dem bunten Mancherlei,

Womit Geschick und Zufall uns umweben,

Durchirren wir, gleich Träumenden, das Leben,

Bald auf dem Fittig süßer Schwärmerei,

Bald stumm und ernst und bald mit scheuem Beben,

Und fühlen erst, wenn aus der Wüstenei

Der Welt uns schön’re Genien erheben,

Das Spiel sei aus und unser Traum vorbei.

 

Sobald der Mensch des Lebens Hauch empfindet,

Bemüht er sich in jenes Buch zu sehn,

Das ihm den Zweck der bunten Träume kündet;

Er sucht nach Licht und wähnt es zu erspähn.

Sein Geist verlacht die Fessel, die ihn bindet,

Schon glaubt er den verborgnen Rat ergründet,

Und hascht im Wahn die Wahrheit schon am Saum:

Doch ach, umsonst! der falsche Schein entschwindet,

Und was er sieht, es ist ein neuer Traum!

 

Zu glücklich ist, wer auf dem Pilgerwege

Mehr Sonnenschein als wilden Sturm empfing,

Wer häufiger durch blühende Gehege

Als durch den Sand verdorrter Wüsten ging;

Wem in dem Buch, wo die genossnen Freuden

Verzeichnet stehn, kein gänzlich leerer Raum

Entgegenstarrt, und wer beim späten Scheiden

Noch rufen kann: Es war ein schöner Traum!

Aus dem poetischen Tagebuch

 

Am 2. April 1815

 

Kleine Lieder, geht nur immer,

Grüßt die Liebste schön von mir!

Glaubt mir, sie verstößt euch nimmer,

Kommt ihr täglich auch zu ihr.

Denn bei mir könnt ihr nicht bleiben,

Voll ist schon das ganze Haus,

Und die losen Buben treiben

Fast mich selbst zur Tür hinaus.

 

Ernst Schulze in englischer Übersetzung

 

Die bezauberte Rose, Dritter Gesang,  99 und 100
Übersetzung von George Moir, London 1827
 
Welch Wiedersehn! Welch reizendes Erkennen!
Hand stehn in Hand die Freunde hier vereint,
Dort kann vom Sohn die Mutter sich nicht trennen,
Da hier das Kind im Arm des Vaters weint.
Wie hört man jetzt viel süße Namen nennen:
Sohn, Tochter, Vater, Mutter, Gatte, Freund!
Nur die am liebsten hier die Hand sich böten,
Sie stehn getrennt mit reizendem Erröten.
Doch führen bald mit ihrem besten Segen
Die Eltern jetzt an zitternd froher Hand
Die holde Braut dem Bräutigam entgegen
Und weihen gern das längstgeknüpfte Band.
Und rasch beginnt sich alles jetzt zu regen,
Gesang und Tanz umtönt den duftgen Strand,
Bis nach und nach beim späten Hochzeitsreigen
Die Fackeln sinken und die Sterne steigen.

Impressum

Ernst-Schulze-Gesellschaft

c/o Dr. Lothar Haas

Breitscheidstraße 16

29223 Celle

Tel.: 05141 - 51925

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